Die IFAT 2026 hat erneut gezeigt, wie breit das Spektrum moderner Umwelttechnologien inzwischen geworden ist. Von Wasser- und Abfallwirtschaft über Recyclingtechnologien bis hin zu innovativen Kreislaufkonzepten bietet die Messe einen umfassenden Blick auf Lösungen, die für eine nachhaltigere Industrie immer wichtiger werden.
Besonders spannend war in diesem Jahr eine Panel-Diskussion auf der Orange Stage. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob und wie der künftig stark steigende Bedarf an Kunststoff-Rezyklaten überhaupt gedeckt werden kann.

Auf der Orange Stage der IFAT 2026 diskutierten Branchenvertreter über Kunststoffrecycling, steigenden Rezyklatbedarf und die Voraussetzungen für funktionierende Kreislaufwirtschaft.
Der Bedarf an Rezyklaten steigt
Die regulatorischen Rahmenbedingungen für mehr Kreislaufwirtschaft werden derzeit in vielen Branchen konkretisiert. Das betrifft nicht nur den Automobilsektor, sondern auch die Verpackungsindustrie, das Bauwesen und weitere materialintensive Bereiche.
Damit wächst der Druck, künftig deutlich größere Mengen an Recyclingmaterial einzusetzen. Gleichzeitig entsteht ein neuer Wettbewerb um begrenzte Ressourcen: Wenn mehrere Branchen gleichzeitig auf hochwertige Kunststoff-Rezyklate angewiesen sind, stellt sich die Frage, woher diese Mengen kommen sollen und wie stabile Stoffströme aufgebaut werden können.
Regulierung allein reicht nicht aus
Die Diskussion auf der IFAT machte deutlich: Politische Zielsetzungen und gesetzliche Vorgaben sind wichtig, reichen allein aber nicht aus. Damit Kreislaufwirtschaft funktioniert, braucht es praxistaugliche Prozesse, verlässliche Qualitätsstandards, belastbare Daten und wirtschaftlich tragfähige Strukturen.
Aktuell besteht jedoch noch ein erhebliches wirtschaftliches Dilemma. Kunststoff-Rezyklate sind häufig teurer als Primärmaterialien. Gleichzeitig greifen viele regulatorische Verpflichtungen erst zu Beginn der 2030er Jahre. Für viele Unternehmen entsteht dadurch noch kein unmittelbarer Handlungsdruck.
Das kann dazu führen, dass notwendige Projekte, Investitionen und Planungen weiterhin verschoben werden – obwohl absehbar ist, dass der Bedarf an Rezyklaten deutlich steigen wird.
First Mover brauchen klare Rahmenbedingungen
Dabei gibt es bereits Unternehmen, die als First Mover in Technologien, Prozesse und Konzepte investiert haben, um Kunststoff-Kreislaufwirtschaft praktisch umzusetzen. Sie zeigen, dass funktionierende Lösungen möglich sind.
Nach Einschätzung der Panel-Teilnehmer bremsen jedoch vor allem unklare Vorgaben, lange Zeithorizonte und eine bislang unzureichende Kontrolle regulatorischer Anforderungen die Umsetzung aus. Wer heute investiert, braucht Planungssicherheit. Dazu gehören klare Anforderungen, nachvollziehbare Standards und ein Marktumfeld, in dem Recyclingmaterialien auch wirtschaftlich attraktiv eingesetzt werden können.
Projekte dürfen nicht zu spät starten
Besonders bemerkenswert war die Einschätzung der Praktiker auf der Bühne: Gerade diejenigen Hersteller, die in einigen Jahren gesetzlich verpflichtet sein werden, Recyclingmaterial einzusetzen, verschieben notwendige Projekte und Planungen vielfach weiterhin in die Zukunft.
Das ist riskant. Denn funktionierende Stoffkreisläufe entstehen nicht kurzfristig. Sie erfordern den Aufbau von Netzwerken, Datenstrukturen, Logistikprozessen, Qualitätskontrollen und belastbaren Partnerschaften entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Gerade bei Closed-Loop-Systemen müssen Materialien zuverlässig identifiziert, gesammelt, aufbereitet und wieder in Produktionsprozesse zurückgeführt werden. Dafür braucht es frühzeitige Vorbereitung und eine enge Zusammenarbeit zwischen Herstellern, Verwertern, Recyclern und Technologiepartnern.
Kreislaufwirtschaft braucht Zusammenarbeit
Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob Kreislaufwirtschaft kommt. Entscheidend ist vielmehr, ob Industrie, Regulierung und Märkte schnell genug zusammenfinden, damit aus politischen Zielsetzungen tatsächlich funktionierende Stoffkreisläufe entstehen.
Die IFAT 2026 hat gezeigt: Technologische Lösungen sind vorhanden. Jetzt kommt es darauf an, sie wirtschaftlich, organisatorisch und digital so miteinander zu verbinden, dass Kreislaufwirtschaft im industriellen Maßstab funktioniert.
Für KUMAsoft ist dabei klar: Digitale Vernetzung, transparente Daten und effiziente Prozesse werden zu entscheidenden Erfolgsfaktoren. Nur wenn Informationen, Materialströme und Marktteilnehmer zuverlässig zusammengeführt werden, können hochwertige Rezyklate verfügbar gemacht und Kreislaufmodelle dauerhaft umgesetzt werden.
